{"id":181,"date":"2019-02-28T14:43:13","date_gmt":"2019-02-28T14:43:13","guid":{"rendered":"http:\/\/artig-anders.de\/?p=181"},"modified":"2020-05-12T16:14:14","modified_gmt":"2020-05-12T16:14:14","slug":"meine-depressionen-und-ich-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artig-anders.de\/?p=181","title":{"rendered":"Meine Depressionen und ich -Teil 3"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/artig-anders.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/4071785b-3de2-46c7-b2e0-8991d2c70c98.jpg?resize=256%2C340&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-109\" width=\"256\" height=\"340\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Eine Woche vor Beginn der Wiedereingliederung hatte ich ein Vorgespr\u00e4ch bei meinem neuen Teamleiter.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Gespr\u00e4ch wurde mir sehr deutlich gemacht, was man von mir erwartet und, dass man ein hohes Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t voraussetzt. Sicher, ich war vor meinem Burnout nicht mehr die Zuverl\u00e4ssigste, dass wusste ich selbst. Doch mit so einem Gespr\u00e4ch hatte ich nicht gerechnet. Aus Arbeitgebersicht ja teilweise verst\u00e4ndlich, doch die Art und Weise war schon hart. Es wurde nicht mal im Ansatz nachgefragt, wie es dazu kommen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wurde 6 Wochen in einem anderen Team eingearbeitet und dort sehr herzlich und offen empfangen. In meinem eigenen Team war davon allerdings nichts zu sp\u00fcren. Nur ein paar ganz wenige kamen, wenn \u00fcberhaupt mal auf mich zu. Ich f\u00fchlte mich so \u2026 unerw\u00fcnscht! Mit jedem Blick und jeder \u00c4u\u00dferung lie\u00df man mich sp\u00fcren, dass ich hier nicht willkommen bin. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Folge hatte ich wieder schlaflose N\u00e4chte, konnte nicht essen, verlor 5kg in 3 Wochen. Ich hatte Angst zur Arbeit zu gehen. Wenn ich im Einarbeitungs-Team war, war alles ok, doch sobald ich in mein Team musste, bekam ich Panik. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Missverst\u00e4ndnis sorgte dann daf\u00fcr, dass ich ein weiteres 4 Augengespr\u00e4ch bei meinem Vorgesetzten hatte. Dort w\u00e4ren 2 Welten aufeinander geprallt: sachlich-emotionslos gegen mittelsachlich-temperamentvoll-sehr emotional. Keine wirklich gute Kombi f\u00fcr ein vern\u00fcnftiges Gespr\u00e4ch! Das war das erste Mal in meinem ganzen Leben, dass ich mich auf ein solches Gespr\u00e4ch vorbereitet habe! Zun\u00e4chst schrieb ich mir die Dinge auf, die ich zu meiner Verteidigung sagen wollte. Im ersten Entwurf steckte noch sehr viel Emotion. Nach und nach tauschte ich in Zusammenarbeit mit einer au\u00dfenstehenden Person die Emotionen gegen sachliche Argumente. So f\u00fchlte ich mich zumindest vorbereitet auf dieses Gespr\u00e4ch. Und tats\u00e4chlich, ich konnte alles sachlich vorbringen, was ich zu sagen hatte, ohne emotionale Ausbr\u00fcche. Mein Chef nahm es gut auf und ab diesem Zeitpunkt hatten wir eine vern\u00fcnftige Basis.<br><br>Ich durfte das Team nicht wechseln, sollte allen beweisen, dass nicht stimmt, was \u00fcber mich erz\u00e4hlt wurde. Also beschloss ich mich wieder mal durchbei\u00dfen. Ich stand total unter Beobachtung. Meine fachliche Vorgesetzte, die neben mir sa\u00df, hatte den Auftrag mich genau zu be\u00e4ugen. Jedes Telefonat mit Kunden wurde sofort kommentiert, kritisiert, verbessert. Ich kam mir so bl\u00f6d vor! Wie ein Azubi, mit Mitte 30, der von nichts Ahnung hat. Das war so UNW\u00dcRDIG! Zu der Zeit begann ich ein Mobbing-Tagebuch zu f\u00fchren, schrieb mir alles auf. Mit beteiligten Personen, Uhrzeiten und Zeugen. Schei\u00df Gef\u00fchl! An diesem Punkt war ich dann irgendwann soweit, dass mir egal war, ob man mir die K\u00fcndigung ausspricht! Fast h\u00e4tte ich selbst gek\u00fcndigt! Aber manchmal leben tot-geglaubte eben l\u00e4nger!<br><br>Die Einarbeitung war f\u00fcr mich Gold wert, da die Prozesse pl\u00f6tzlich so klar waren. Wo vor der Reha durch Multitasking alles verschwommen wirkte, war jetzt pl\u00f6tzlich klare Sicht! Das war Wahnsinn! Ich konnte dadurch meine Arbeitsabl\u00e4ufe optimieren und war stets fokussiert auf die Sache. Meinen Kollegen, die mich damals ohne jegliche Vorurteile eingearbeitet haben,  bin ich bis heute endlos dankbar! Es war wie in dem Film &#8222;Ohne Limit&#8220;, nur ohne diese Pille. <br><br>Zur\u00fcck in meinem Team lie\u00df ich keinerlei Ablenkung mehr zu. Handy aus, keine Gespr\u00e4che mit Kollegen, den Fokus nur auf meine Arbeit und die Produktivit\u00e4t. Und schon nach kurzer Zeit erhielt ich positives Feedback. Ich wurde zur produktivsten Kraft in meinem Team und war stolz auf mich wie Bolle, weil ich wieder mal allen das Gegenteil bewiesen hatte. Innerlich konnte ich all meinen Widersachern den Mittelfinger zeigen !!! Jetzt wurde ich gefeiert! War Thema in Teamleiterrunden und schwamm mit auf diesem Flow. <\/p>\n\n\n\n<p>Bis&#8230;ja bis mein K\u00f6rper anfing zu schreien! Anfangs hatte ich &#8222;nur&#8220; Schmerzen in der rechten Hand. Eine Weile hatte ich versucht das Ganze zu ignorieren. Irgendwann konnte ich das nicht mehr. Die Schmerzen wurde immer schlimmer und immer h\u00e4ufiger. Anfang 2015 war ich dann damit das erste Mal beim Arzt. Immer schauten die \u00c4rzte nur auf die austretende Stelle und so begann ein 2 Jahre dauernder Arzt-Marathon. Orthop\u00e4de, MRT, Knochenszintigramm, Hand-Chirurg, Rheumatologe. Ich war \u00fcberall! Und keiner konnte, bzw. wollte etwas finden. In dieser Zeit hatte ich den ein oder anderen Zusammenbruch, da es mich zerm\u00fcrbt hat. Ich bildete mir die Schmerzen definitiv nicht ein. Im Februar 2017 brach ich dann komplett zusammen, da ich die Schmerzen nicht mehr ertragen konnte. Ich wechselte den Hausarzt und fand endlich jemanden, der sich meine ganzen Befunde mal richtig anschaute. Schon 2015 im ersten MRT der HWS hatte ich 2 Bandscheibenvorw\u00f6lbungen. Ich wurde erneut ins MRT geschickt und aus den 2 waren durch die Nichtbehandlung 4 Vorw\u00f6lbungen geworden, die meine Schmerzsymptomatik auch erkl\u00e4rten. Endlich!!! Endlich hatte ich etwas in der Hand, womit ich etwas anfangen konnte. <\/p>\n\n\n\n<p>Endlich hatte ich den Beweis! Und ich konnte ihn vorzeigen. Das ist etwas anderes als wenn Du &#8222;<strong>nur Kopf&#8220;&nbsp;<\/strong>hast. Auch hier fiel ich wieder l\u00e4nger aus. 3 Monate war ich zu Hause. Bekam Krankengymnastik und musste meinem K\u00f6rper Zeit geben. Das ist jedoch leichter gesagt, als getan. Dadurch, dass ich so lange auf der Suche nach einer Diagnose war, verlor ich mich selbst total darin. Der Schmerz an sich bekam bei mir eine \u00fcberm\u00e4chtige Rolle. Sobald ich morgens aufstand, h\u00f6rte ich in meinen K\u00f6rper hinein und ich fand immer irgendetwas, was schmerzte. <br><br>Normalerweise wird man dem Therapiestandart entsprechend zun\u00e4chst medikament\u00f6s behandelt. Das war bei mir jedoch nicht ganz so einfach, da ich nicht alles an Wirkstoffen darf. Somit musste ich \u00fcberwiegend ohne Schmerzmittel durch diese Zeit. Auch hier war es wieder so, dass nach kurzer Zeit keiner mehr mein wirkliches Empfinden h\u00f6ren wollte. Und da war sie wieder, die schwarze Gestalt, die langsam wieder \u00fcber mich Besitz ergriff, ohne dass ich es wirklich merkte.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang 2018 war ich dann erneut beim Radiologen, erneutes MRT der HWS. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass sich etwas verschlechtert hatte, doch das MRT sprach eine andere Sprache. Der Radiologe sagte mir, dass meine Schilderung dem Befund nicht entsprechen w\u00fcrde. Die Vorw\u00f6lbungen hatten sich zur\u00fcckgebildet, doch Schmerzen hatte ich immer noch. Eine damalige Freundin meinte daraufhin zu mir, ob ich mich schon mal gefragt h\u00e4tte, wo bei mir der innere Schmerz sitzt? Diese Aussage stellte alles auf den Kopf. Fortan besch\u00e4ftigte ich mich sehr mit diesem Thema und versuchte f\u00fcr mich heraus zu finden, was damit gemeint sein k\u00f6nnte. Und nach ein paar Wochen kam ich auf die Antwort. <br><br>Fortsetzung folgt&#8230;<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Woche vor Beginn der Wiedereingliederung hatte ich ein Vorgespr\u00e4ch bei meinem neuen Teamleiter. In diesem Gespr\u00e4ch wurde mir sehr deutlich gemacht, was man von mir erwartet und, dass man ein hohes Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t voraussetzt. Sicher, ich war vor meinem Burnout nicht mehr die Zuverl\u00e4ssigste, dass wusste ich selbst. 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