{"id":352,"date":"2019-05-01T10:45:31","date_gmt":"2019-05-01T10:45:31","guid":{"rendered":"http:\/\/artig-anders.de\/?p=352"},"modified":"2019-05-01T15:36:05","modified_gmt":"2019-05-01T15:36:05","slug":"trauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artig-anders.de\/?p=352","title":{"rendered":"Trauer"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/artig-anders.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/PicsArt_03-13-07.15.29.jpg?resize=224%2C299&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-209\" width=\"224\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/artig-anders.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/PicsArt_03-13-07.15.29.jpg?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/artig-anders.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/PicsArt_03-13-07.15.29.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/artig-anders.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/PicsArt_03-13-07.15.29.jpg?w=810&amp;ssl=1 810w\" sizes=\"(max-width: 224px) 100vw, 224px\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Trauer ist ebenfalls eines der st\u00e4rksten Gef\u00fchle, was wir empfinden k\u00f6nnen. Die Trauer kann einem sogar jegliche Lebensfreude entziehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Entt\u00e4uschungen f\u00fchren oft zu Trauer, wobei der Weg hier h\u00e4ufig zun\u00e4chst \u00fcber die Wut dann zur Trauer f\u00fchrt. Kleinigkeiten, wie wenn man bei einer Verabredung versetzt wird f\u00fchren nur kurzfristig zu Entt\u00e4uschung und Trauer. Dinge wie das Ende einer Beziehung oder das Ende einer Freundschaft wiegen da schon schwerer. Die schlimmste Form der Trauer wird jedoch durch schwere Krankheiten, Schicksalsschl\u00e4ge oder sogar den Verlust geliebter Menschen ausgel\u00f6st. <\/p>\n\n\n\n<p>Die erste und zweite Variante kennen wir sicherlich alle. Wer die dritte Variante nicht kennt, kann sich freuen und m\u00f6ge daf\u00fcr dankbar sein!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ihr aus diesem Satz schon entnehmen k\u00f6nnt, kenne ich die dritte Variante ziemlich gut. Mit 5 Jahren wurde ich selbst von einem Auto angefahren und lag 1 Woche mit Sch\u00e4delhirntrauma im k\u00fcnstlichen Koma. Durch die geistesgegenw\u00e4rtige Reaktion meines Vaters, sofort den Rettungshubschrauber zu alarmieren, kann ich heute vom Gl\u00fcck sagen, dass ich immer noch lebe! <br>Durch dieses Ereignis fiel meinem Vater damals das erste Mal auf, dass meine Mutter sich in den Alkohol fl\u00fcchtete. Sie wusste wahrscheinlich f\u00fcr sich keinen anderen Weg!?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Alter von 12 Jahren lie\u00dfen sich meine Eltern scheiden. Meine Mutter verlies mich &#8211; um mich zu sch\u00fctzen, doch das habe ich lange nicht verstanden. Trauer und Verlassen werden waren in meiner Kindheit und Jugend ein sehr oft auftretendes Gef\u00fchl. 7 Jahre war sie trocken und in dieser Zeit fanden wir wieder zueinander. Sie war endlich sie selbst und konnte mir all das geben, was man sich so sehr von seiner Mama w\u00fcnscht. Liebe und Aufmerksamkeit. Doch dann wurde sie r\u00fcckf\u00e4llig und ich verstand nicht, warum!? Es zog mir den Boden unter den F\u00fc\u00dfen weg. Pl\u00f6tzlich war sie eine v\u00f6llig andere Person. Sie log mich an und es gab oft Streit, wenn auch nur am Telefon. Ich wusste nicht mehr, was ich ihr glauben konnte. Und dann sah ich ihren R\u00fcckfall mit eigenen Augen. Entt\u00e4uschung, Wut und Trauer! <\/p>\n\n\n\n<p>3 Wochen sp\u00e4ter kam die Diagnose Krebs und 3 Monate sp\u00e4ter verstarb sie &#8211; ohne jegliche Chance auf Heilung. Mit meinen knapp 20 Jahren stand ich pl\u00f6tzlich da, ohne Mama. Und es waren noch so viele Dinge f\u00fcr mich ungekl\u00e4rt. Ich hatte ihr doch noch so viel zu sagen, so viel zu geben. Und pl\u00f6tzlich war sie einfach weg. Nicht verreist f\u00fcr ein paar Wochen, wo man wei\u00df, sie ist bald wieder da. Es war f\u00fcr sie eine Reise ohne R\u00fcckkehr. Das hat mich total aus der Bahn geworfen! Ich konnte es nicht begreifen. Ich w\u00fcrde sie nie wieder sehen, nie wieder mit ihr sprechen. Sie wird mich nie wieder in den Arm nehmen, mir nicht weiter zu Seite stehen. Sie ist einfach weg. F\u00fcr immer! <\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Plan von irgendwas zu haben musste ich mich um die Angelegenheiten k\u00fcmmern, die noch zu erledigen waren. Ich musste zu ihrem Arbeitgeber fahren, um ihre pers\u00f6nlichen Sachen abzuholen. Ich war vor Trauer vollkommen bet\u00e4ubt! <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Verarbeitung meiner Trauer konnte mir kaum jemand helfen. Mein Freund und unser Freundeskreis waren bez\u00fcglich des Verlustes eines nahen Angeh\u00f6rigen alle noch verschont geblieben und da viele mit solchen Trauersituationen dann \u00fcberfordert sind, weichen sie dem aus. Mein Vater hatte selbst mit der Verarbeitung zu tun. Meine Eltern waren zwar nicht mehr verheiratet, doch durch mich ja f\u00fcr immer verbunden. Mein Vater  sank bei der Beerdigung am Grab meiner Mutter zusammen auf die Knie und weinte so bitterlich, dass es mir fast das Herz zerriss. Das war das erste Mal, dass ich meinen Vater weinen sah. Es fiel ihm schwer mit dieser Trauer bei mir umzugehen, da er es selbst nie gelernt hat mit solchen Gef\u00fchlen umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar lief mein Leben danach irgendwie weiter, doch ich war lange Zeit noch wie bet\u00e4ubt. Jegliche Dinge, die auch nur im Ansatz Freude h\u00e4tten machen k\u00f6nnen, habe ich mir selbst nicht erlaubt. Aus Respekt oder weil man es halt so macht. Wenn Du Dich hier nicht verh\u00e4ltst, wie es die Gesellschaft erwartet, bist Du sehr gro\u00dfen Vorurteilen ausgesetzt. Bei mir meinten einige, ich w\u00fcrde ja gar nicht richtig trauern. Nur weil ich nicht immer schwarz trug &#8211; f\u00fcr ein ganzes Jahr, so wie es sich geh\u00f6rt. Doch wer bitte hat dar\u00fcber zu urteilen, wie man richtig trauert? Jeder tut dies auf seine Weise! Und es steht absolut niemandem zu, dar\u00fcber zu urteilen! Diejenigen, die es dennoch tun, sollten sich was sch\u00e4men! Durch diese Verurteilungen habe ich mir damals jegliche Freude verboten. Immer, wenn ich pers\u00f6nliche Sachen oder Bilder von ihr anschaute, brach ich in der ersten Zeit zusammen. Ich ging kaum noch raus, verkroch mich in meinen eigenen vier W\u00e4nden. <\/p>\n\n\n\n<p>Bis eines Tages der damalige Lebensgef\u00e4hrte meiner Mutter zu mir sagte, dass es meine Mama bestimmt nicht gewollt h\u00e4tte, dass ich nun keinen Spa\u00df mehr am Leben habe. Und da hatte er Recht! Also lies ich mir nicht mehr vorschreiben, wie man richtig trauert und machte fortan mein eigenes Ding!<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt so einen bl\u00f6den Spruch: Die Zeit heilt alle Wunden! Die Wunde an sich heilt zwar vielleicht, doch die Trauer bleibt!<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter ist mittlerweile seit fast 22 Jahren tot und ich kann zwar mittlerweile normal dar\u00fcber reden, doch auch beim Schreiben dieser Zeilen kullern immer noch Tr\u00e4nen. Bis heute fehlt sie mir in manchen Situationen so sehr! Gerade als ich selbst Mutter wurde war niemand da, an dem ich mich direkt orientieren konnte. Ich hatte damals die Mutter meines Freundes an meiner Seite, die ich als Oma meiner Tochter auch heute noch (selbst nach der Trennung) als einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben bezeichne. Aber so wirklich das Gleiche ist es eben nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Da meine Mutter damals nicht mehr hier bei uns in der Gegend lebte, habe ich sie an dem Ort beerdigen lassen, wo sie zuletzt auch gl\u00fccklich war. Einige Jahre sp\u00e4ter verstarb dann auch ihr damaliger Lebensgef\u00e4hrte, der sich um die Grabpflege und alles vor Ort gek\u00fcmmert hatte. Da das Grab noch einige Jahre dort geblieben w\u00e4re, habe ich mich dann f\u00fcr einen wahrscheinlich sehr ungew\u00f6hnlichen Schritt entschieden. Ich habe das Grab meiner Mutter vor Ablauf der Zeit aufgel\u00f6st und habe den Grabstein (ein kleiner Findling mit Lettern aus Bronze) mit nach Hause genommen und habe ihr in meinem Garten einen sch\u00f6nen Platz gesucht. So ist sie nun seit einigen Jahren auch wieder r\u00e4umlich bei mir. Doch sie war auch schon vorher, trotz r\u00e4umlicher Entfernung immer bei mir! Denn ich trage sie in meinem Herzen! F\u00fcr immer! <\/p>\n\n\n\n<p>Sie war 49 Jahre als sie starb, ich selbst bin mittlerweile 41 Jahre. Ich denke manchmal dar\u00fcber nach, was w\u00e4re, wenn mich das gleiche Schicksal ereilen w\u00fcrde? Was wird dann aus meiner Tochter? Doch dann denke ich &#8211; halt! H\u00f6r auf damit! Sofort! Du bist nicht Deine Mutter! Du bist Du! Und ich werde noch lange an der Seite meiner Tochter bleiben und ihr all die Liebe geben, die ich habe! Du bist mein WARUM! Ich liebe Dich mein kleiner Engel!<br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trauer ist ebenfalls eines der st\u00e4rksten Gef\u00fchle, was wir empfinden k\u00f6nnen. Die Trauer kann einem sogar jegliche Lebensfreude entziehen. Entt\u00e4uschungen f\u00fchren oft zu Trauer, wobei der Weg hier h\u00e4ufig zun\u00e4chst \u00fcber die Wut dann zur Trauer f\u00fchrt. Kleinigkeiten, wie wenn man bei einer Verabredung versetzt wird f\u00fchren nur kurzfristig zu Entt\u00e4uschung und Trauer. 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