{"id":715,"date":"2021-08-17T16:28:27","date_gmt":"2021-08-17T16:28:27","guid":{"rendered":"http:\/\/artig-anders.de\/?p=715"},"modified":"2021-11-30T11:39:34","modified_gmt":"2021-11-30T11:39:34","slug":"pandemie-deprisode-part-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artig-anders.de\/?p=715","title":{"rendered":"Pandemie-DepriSode Part 1"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute ist wieder einer dieser Tage&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gel\u00e4hmt sitze ich Zuhause und finde nichts, was mir Freude macht. Es ist Samstag, Tag 252 @Home in meiner selbst auferlegten Isolation.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann nicht mehr&#8230;.Heute erscheint alles, was ich vorhabe zu tun als v\u00f6llig plan- und sinnlos. Also starre ich verzweifelt L\u00f6cher in die Luft- in der Hoffnung einen Sinn f\u00fcr all das hier zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist so langweilig und gleichzeitig bin ich irgendwie stehen k.o. Diese Freak-Show macht mich verr\u00fcckt. Wie lange geht dieser Wahnsinn noch so weiter? Was passiert hier eigentlich gerade? Es wirkt alles so surreal und dennoch passiert das alles tats\u00e4chlich. <\/p>\n\n\n\n<p>Meine Gedanken haben mich im Griff. Im n\u00e4chsten Moment klebe ich am Handy, schl\u00fcrfe dabei meinen Kaffee und tauche ein in die digitale Ablenkung. Die Breaking News jagen sich heute Mal wieder gegenseitig durch das WorldWideWeb. Die n\u00e4chsten Beschl\u00fcsse stehen kurz bevor.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile sind bestimmte Abl\u00e4ufe zu einer unsch\u00f6nen t\u00e4glichen Routine geworden. Morgens w\u00e4hrend mir mein Kaffeevollautomat den ersten Kaffee br\u00fcht checke ich schon das Netz. Wie sind die aktuellen Zahlen heute, wie ist die Entwicklung? So starte ich in den Tag, seit Monaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Tagesablauf wirkt dann fast wie automatisiert, komplett getacktet zwischen Home-Office, Home-Schooling, Haushalt und Kinderbetreuung, bis ich abends v\u00f6llig k.o. um 22Uhr auf dem Sofa sitze und mir noch einen letzten Krimi reinziehe, um dieser Realit\u00e4t zu entfliehen und runter zu kommen. Wenn ich Pech habe, schlafe ich direkt nach kurzer Zeit auf dem Sofa ein, wache erst irgendwann sp\u00e4t in der Nacht wieder auf und schleppe mich dann f\u00fcr die verbleibende Zeit bis zum Weckerklingeln ins Bett. <\/p>\n\n\n\n<p>Und so vergehen die Tage, einer wie der andere. <\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfer an Tagen wie diesen&#8230;Da funktioniert das Schema F nicht, die Alltags-Rountine, die man sich zurechtgelegt hat, damit man nicht durchdreht. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist wieder so ein Tag. Zwar h\u00e4tte ich noch genug Aufgaben die sich w\u00fcnschten erledigt zu werden. Doch heute bin ich ein Totalausfall. Flasche leer! Aber komplett. Mein K\u00f6rper sackt in sich zusammen, mein Kopf ist wie in Watte gepackt. Alles f\u00fchlt sich dumpf an und ich sp\u00fcre mich selbst kaum noch. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Energie, die ich sonst habe, wenn ich fit bin, ist wie weggesackt. Dieser Zustand ist schwer zu beschreiben, doch es ist, als h\u00e4tten mir mehrere Dementoren all meine gl\u00fccklichen Erinnerungen ausgesogen. Vielleicht beschreibt das ganz gut, wie es sich anf\u00fchlt!? Bei Dementoren hilft dann Schokolade, aber davon hatte ich in den letzten Monaten schon zu viel.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der Pandemie hatte ich alle 6-8 Wochen mal so einen schlechten Tag dazwischen. Wird schon. Morgen geht&#8217;s schon wieder &#8211; und so war es meist auch. G\u00f6nn Dir diese Auszeit, es l\u00e4uft ja nichts weg. Generell richtig, doch ich beobachte, dass die Abst\u00e4nde mittlerweile immer k\u00fcrzer werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist schon Tag 273 @Home. Ich wei\u00df, mir geht&#8217;s gut. Ich habe eigentlich nichts auszustehen. Ich kann im Home-Office weiter arbeiten, verdiene nach wie vor das gleiche Geld, habe keinen Arbeitsweg mehr und kann mich um meine Tochter im Home-Schooling k\u00fcmmern. Ich habe ein Haus mit Garten und lebe l\u00e4ndlich, kann also viel spazieren gehen. Ich d\u00fcrfte mich eigentlich nicht beklagen. Und obwohl ich schon vor der Pandemie f\u00fcr all das was ich habe dankbar war, gibt es Tage wie diese. Und je l\u00e4nger das alles andauert, desto h\u00e4ufiger kommen sie vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mit Sicherheit nicht die einzige, der es so geht. Aber, darf ich das \u00fcberhaupt laut sagen? Es gibt viele, denen geht es gerade wesentlich schlechter als mir. Ich h\u00f6re dann, aber Du wolltest doch immer ins Home-Office und jetzt ist es wieder verkehrt. Nein, ist es nicht. Das Home-Office ist nach vor cool. Da war aber auch noch nicht die Rede von monatelangem Home-Schooling, pl\u00f6tzlich doch komplett alleinerziehend, Rebell-Phase der Tochter und das sich Lockdown-Light, Flock-Down und Longdown die Klinke in die Hand geben. <\/p>\n\n\n\n<p>Das nervt einfach langsam! Aber erz\u00e4hlst Du, dass Du langsam nicht mehr kannst, dann hie\u00df es neulich: Achja, Du hattest vor ein paar Jahren ja schon mal so Probleme. Alter! Geht\u00b4s noch? <\/p>\n\n\n\n<p>Kurz vorher gab es schon mal so eine \u00e4hnliche Geschichte. Ich sendete meiner liebsten Freundin eine Sprachnachricht und ja, ich gebe zu, ich hab etwas gejammert und mich ausgekotzt. Muss halt manchmal sein, wenn Du seit Monaten zu Hause sitzt und kaum jemand au\u00dferhalb der eigenen vier W\u00e4nden mit Dir spricht. Normal &#8211; denke ich. Als Antwort gab es lieb gemeinte Durchhalte-Parolen. Klar, so langsam h\u00e4ngen alle durch und ich behaupte mal, dass ich noch zu denen geh\u00f6re, die immer versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Ich wei\u00df, ich bin eine starke Frau. Doch das Problem bei starken Frauen ist, wenn sie tats\u00e4chlich mal nicht mehr k\u00f6nnen, sieht und glaubt es keiner. Denn&#8230;die kriegt doch sonst auch alles alleine hin. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach wochenlangem Multitasking aus Home-Office und Home-Schooling &#8211; von 7 Uhr bis manchmal 22 Uhr durchgetaktet zu sein, von jetzt auf gleich pl\u00f6tzlich zur Hausfrau verdonnert, die aus Verzweiflung , ihren selbst auferlegten Kontaktbeschr\u00e4nkungen und dem dringenden Wunsch nach irgendeiner Ablenkung Dinge aufr\u00e4umt und putzt, die man sonst nur maximal 1 Mal im Jahr auf- oder umr\u00e4umt. Dank des neu erworbenen K\u00e4rchers waschstaubsauge ich im Moment alles, was mir unter die Flinte kommt. Erst das Sofa, dann meine Autositze, dann den Schlafzimmer-Teppich. Und das, obwohl doch eh keiner kommt. Aber, wenn dann irgendwann wieder jemand kommt, dann&#8230;Dann kann ich sagen, alles feddich!<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Anfang der Pandemie hatte sich bei einigen der Irrglaube gefestigt, dass Home-Office ja eigentlich gar keine richtige Arbeit ist. Man ist ja schlie\u00dflich zu Hause. Kann es sich einteilen, und sitzt bei sch\u00f6nem Wetter auf der Terasse und l\u00e4sst es sich gut gehen. Von wegen!<\/p>\n\n\n\n<p>Denn auch im Home-Office hat man einen gewissen Druck und ich wage zu behaupten, der ist sogar noch etwas gr\u00f6\u00dfer als in der Dienststelle. Als alleinerziehende Mama will man nat\u00fcrlich beweisen, dass man das hinbekommt. Die Ziele und Erwartungen sind nicht pl\u00f6tzlich vergessen, nur weil Mutti sich um den Nachwuchs zu Hause auch noch k\u00fcmmern muss. Da wird drauf vertraut, dass die erweiterten Arbeitszeiten auch bis in die sp\u00e4ten Abendstunden ausgesch\u00f6pft werden. Nat\u00fcrlich wird das auch genutzt, nur das funktioniert eben auch nicht jeden Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Abst\u00e4nde der Tage an denen es nicht funktioniert, an denen ICH nicht mehr funktioniere werden immer k\u00fcrzer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist wieder einer dieser Tage&#8230; Wie gel\u00e4hmt sitze ich Zuhause und finde nichts, was mir Freude macht. Es ist Samstag, Tag 252 @Home in meiner selbst auferlegten Isolation. Ich kann nicht mehr&#8230;.Heute erscheint alles, was ich vorhabe zu tun als v\u00f6llig plan- und sinnlos. 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